Sie sind hier: Posidonienschiefer  

DER POSIDONIENSCHIEFER UND SEINE FOSSILIEN

Der Posidonienschiefer von NW-Deutschland

Fossils from the Posidonia Shale from NW-Germany

In Süddeutschland gibt es mehrere große Ölschieferlagerstätten (Posidonienschiefer), u.a.die Lokalitäten von Holzmaden, Balingen und Banz. Auch in NW-Deutschland (Niedersachsen) gibt es größere Vorkommen mit Posidonienschiefer aus der geologischen Zeit des Toarciums (Lias). Die Fossilien aus dem Posidonienschiefer dokumentieren die vor ca. 175 Mio. Jahren lebende Tier- und Pflanzenwelt. Der Name Posidonienschiefer kommt von einer kleinen Muschel Pasidonia (heute Bositra). In Süddeutschland kommt diese Muschel massenhaft und in Norddeutschland nur sehr selten vor.
Die Präparation von Fossilien aus dem Posidonienschiefer ist sehr langwierig und schwierig.

Im Posidonienschiefer von NW-Deutschland vorkommende Fossilien

A) Vertebraten (Wirbeltiere) aus dem Posidonienschiefer:
- Reptilien: Ichthyosaurus (Schwimmsaurier), Steneosaurus
(Meereskrokodil), Plesiosaurier (Paddelechse), Flugsaurier (Dorygnathus)
- Fische: Hybodus (Hai), Acidorhynchus (Schnabelfisch), Ptycholepis (Haarfisch),
Dapedium (Schmelzschuppenfisch), Tetragonolepis (Schmelzschuppenfisch), Lepidotes
(Schmelzschuppenfisch), Caturs, Pachycormus, Euthynotus, Pholidophorus,
Leptolepis.
B) Invertebraten (Wirbellose) aus dem Posidonienschiefer:
- Ammoniten: Harpoceras, Hildaites, Dactylioceras, Lytoceras
- Krebse: Proeryon, Antrimpos
- Insekten: zahlreiche Arten, wie Libellen, Kalligramma usw.
- Stachelhäuter (Echinodermen): Seelilien z.B. Seirocrinus u. Pentacrinites
C) Pflanzen aus dem Posidonienschiefer: Widdringtonites (Zypresse, Nadelholz), Pagiophyllum (Zypresse, Nadelholz)




Fossilien aus dem Posidonienschiefer

 
Acidorhynchus brevirostris, Schnabelfisch, 40 cm  Caturus, Raubfisch, 27 cm  Schädel vom Caturus  Zahn vom Krokodil?, 5 cm   
 
Lepidotes, Schmelzschuppenfisch, 65 cm  Schädel vom Lepidotes in 3 D Erhaltung   3 D Zahnstellung beim Lepidotes  Zahn vom Plesiosaurus, 2 cm    
 
Kaligramma, Insektenflügel, 7 cm  Libellenflügel, 5 cm  Antrimpos, Garnele, 3 cm   Proeryon, Krebs, 9 cm   



Posidonienschiefer, Vorkommen und Entstehung

Der Posidonienschiefer in NW-Deutschland kommt gerade im Braunschweiger Raum in seiner für NW-Deutschland typischen Ausbildung vor. Im wesentlichen gibt es zwei große Hauptlager wo sich der Posidonienschiefer abgelagert hat. Es gibt die Juramulde von Schandelah und die von Hondelage.
Der Posidonienschiefer hat in beiden Mulden eine Mächtigkeit von ca. 25-30 m und kommt an den Rändern zu Tage.
Er stellt eine Wechsellagerung von feingeschichteten, bitumösen Schiefer, dickbankigen grauen Kalkbänken und Geodenlagen dar. Der Posidonienschiefer verwittert sehr tiefgründig und hinterlässt einen nährstoffreichen (hoher Anteil an Phosphat) braunen Boden.
Früher wurde der Posidonienschiefer im Braunschweiger Raum in mehreren Mergelgruben abgebaut und zum Mergeln der Felder
benutzt. Die Mergelgruben sind inzwischen alle voll Wasser gelaufen oder verfüllt.
In NW-Deutschland lässt sich der Posidonienschiefer, mit Hilfe von in den Geoden vorkommenden plastisch erhaltenen Ammoniten in mehrere Zonen gliedern (Weitschatt 1973).



 

Posidonienschiefer in sehr feiner Schichtung

 

Entsehung von Posidonienschiefer:
In dem warmen Flachmeer der Unteren Jurazeit (Lias epsilon) erfolgten bei warmen Klima im sauerstoffreichen Oberflächenwasser regelmäßig Algenblüten. Nach dem Absterben sanken diese in sauerstoffarmes, wenig bewegtes,Tiefenwasser ab und konnten am Meeresboden nicht mehr oxidativ abgebaut werden; sie verwesten unter Wirkung anaerober Bakterien unvollständig. Unter diesen Bedingungen entsteht auch der für Lebewesen giftige Schwefelwasserstoff - dadurch werden größere Mengen Schwermetalle als Sulfide gefällt und ins Sediment eingebaut. Ein anderer Teil des Sedimentes besteht aus feinem Ton und Schluff, diese Bestandteile wurden über Flüsse vom Festland eingeschlämmt. Dieser Faulschlamm verfestigte sich im Laufe von Jahrmillionen unter dem Druck überlagernder Schichten und wurde zum Posidonienschiefer. Bei der Pressung (Sackung) und Entwässerung des giftigen Faulschlammes wurde das Sediment stark zusammengepresst.


Entstehung der Geoden im Posidonienschiefer:
Im Posidonienschiefer von NW-Deutschland gibt es mehrere horizontbeständige Geodenlagen.
Die Geoden entstehen durch Kalkausfällung im Sediment. Bei der Zersetzung von toten Tieren am Meeresgrund wird Ammoniak gebildet, das erhöht lokal den pH-Wert im Bereich des Meeresbodens. Ist im Bodenschlamm Calciumhydrogencarbonat gelöst, wird durch den erhöhten pH-Wert Kalk ausgefällt und es kommt zur lokalen Anreicherung von diesem. In diesen Kalkgeoden sind die Fossilien vor Verformung geschützt und dadurch im Gegensatz zu den Schieferlagen im Posidonienschiefer plastisch erhalten.


Geode im Posidonienschiefer




 

back / home / next